Die
„Presseagentur Gesundheit“ berichtet am 27. Oktober unter
der Überschrift: „Krankenhaus: ethischer Anspruch und
Kostendruck schwer vereinbar“, dass der Deutsche Ethikrat auf
seiner Herbsttagung in Dresden zu folgender Erkenntnis gekommen ist:
„Der Patient ist Zweck der Gesundheitsversorgung, nicht Mittel
zur Erlösmaximierung.“

Ja
gut, aber bedeutet das nun, im Krankenhaussektor wieder alles
umstellen zu müssen? Schon allein die Kriterien bei der Neubesetzung
von Chefarztstellen bedürften gravierender Änderungen – obgleich
sie sich bis jetzt doch so glänzend bewährt haben:

1.
Röntgenaufnahme vom Brustkorb aller Chefarztkandidaten. Wem das
Rückgrat fehlt, kommt in die engere Auswahl.

2.
Praktische Übung: Wer den tiefsten Kotau vor dem Verwaltungsleiter
schafft (gemessen im Stirn-Boden-Abstand), hat den Chefarztposten
gewonnen!

Operieren bringt fette Umsätze

Und
nun soll in den Kliniken plötzlich wohl wieder Medizin statt
Ökonomie dominieren?! Die Ärzte sind anscheinend angehalten, wieder
darüber zu befinden, was medizinisch sinnvoll ist, anstelle die
Vorgaben der Verwaltungschefs umzusetzen. Dabei haben uns doch gerade
diese Herrschaften unangefochten zu medizinischen Weltmeistern
gemacht – wenn wir schon im Export weltweit nur noch die Nummer zwei
sind.

Wir
haben global die meisten Operationen pro Kopf der Bevölkerung.
Operieren – vor allem an der Wirbelsäule und an den Gelenken –
rentiert sich nämlich. Das spült richtig fette Umsatz-Kohle in die
Kasse der Klinikverwaltung. Die Damen und Herren Chefärzte werden
von der Verwaltung mit Bonuszahlungen geradezu angespornt, möglichst
oft zum Skalpell zu greifen. Je mehr Operationen, desto höher der
Bonus. Dann gleich ab nach Hause mit dem Patienten – wurscht, ob’s
noch blutet oder nicht. Länger in der Klinik bleiben bringt im
derzeitigen DRG-Vergütungssystem nämlich keinen Cent mehr
Einnahmen. Der Patient „kostet“ nur noch: will Pflege und auch
noch was zum Essen „für lau“, was letztendlich die Rendite
schmälert!

Deutschland
liegt immer noch auf Platz drei, was die Zahl der Klinikbetten
umgerechnet auf die Bevölkerung angeht: gleich nach Japan und
Südkorea. In der sogenannten westlichen Welt führen wir
unangefochten die Rubrik „Zahl der Krankenhausbetten“ an.

Kapitalbildung muss Nebeneffekt bleiben

Meine
Meinung (nun ganz unsatirisch): Eine Orientierung am Menschen statt
am Kapital ist für die Kliniken unumgänglich. Dazu gehört die
Zurückführung des gesamten Kliniksektors in die Öffentliche Hand
oder in frei-gemeinnützige Trägerschaft wie zum Beispiel die der
Kirchen. Von kleinen privaten Spezialkliniken in ärztlicher Hand
einmal abgesehen. Krankenhäuser dürfen nicht mehr gewinnorientiert
arbeiten, falls man gewillt ist, die derzeitigen Missstände
abzuschaffen. Die Politik hat zu akzeptieren, dass die menschliche
Gesundheit im Klinikbetrieb ein Zuschussgeschäft sein muss, falls
menschen- und nicht kapitalorientiert gewirtschaftet wird. Ein
„sowohl als auch“ ist nicht praktikabel. Das haben die
letzten Jahrzehnte bewiesen. Versicherungsbeiträge dürfen nicht zum
Teil als Dividende bei Klinikkonzern-Aktionären landen.

Bin
ich nun ein Kommunist? Nein. Aber auch kein Kapitalist. Das
kommunistische Groß-Experiment im vergangenen Jahrhundert in weiten
Teilen dieser Erde ist grandios gescheitert. Allerdings ist ein
kapitalistisches System für alle Verrichtungen nah am Menschen nicht
das Gelbe vom Ei, wie die Misere in deutschen Krankenhäusern zeigt.

De facto sind Veränderungen tabu

Ob
unsere Volksvertreter diese Erkenntnis teilen und umsetzen? Ich habe
keinen Zweifel, dass vor allem Gesundheitspolitikern genau diese
Denkweise vertraut ist und im Inneren akzeptiert wird. De facto darf
es aber zu keiner Veränderung im Klinikvergütungssystem kommen.
Denn dadurch würden die üppig dotierten
Politiker-Aufsichtsratsposten für Kliniken und Krankenkassen
gefährdet. Wie viel genau da unter dem Strich rauskommt, wollen Sie
wissen? Am besten, Sie fragen einfach mal den
SPD-Gesundheitsprofessor Karl Lauterbach – den freundlichen Herrn mit
der stets ordentlichen Frisur und der Fliege:

http://www.abgeordnetenwatch.de/karl_lauterbach-778-78292.html

Der
könnte Ihnen darüber aus eigener fortwährender Erfahrung
berichten. Ob er es tut? Lassen Sie es mich so ausdrücken: ich habe
gewisse Zweifel.